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06. September 2010
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"Wann man mir geholfen hat? Gar nicht!"

Halberstädter Schauspieler im Landtags-Ausschuss

Von Thomas Struk

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Strafrechtlich ist der Überfall auf die Halberstädter Schauspieler längst abgehakt, der einzige Verurteilte bekam im Mai 2008 zwei Jahre Gefängnis. Von den anderen mutmaßlich rechts-extremen Angreifern konnte jedoch keiner überführt werden.

Seit gestern beschäftigt sich der Polizei-Untersuchungsausschuss im Landtag von Sachsen-Anhalt mit der Attacke, die im Juni 2007 für Aufsehen sorgte. Dabei geht es aber nicht um die Ermittlung weiterer Täter, sondern um Pannen im Einsatz der Polizei, deren Arbeit der Ausschuss auch bei anderen rechten Taten überprüft.

Vier Ensemble-Mitglieder berichteten gestern in Magdeburg über die Brutalität der Angreifer und Fehler der Polizisten, die schon in einer polizeiinternen Untersuchung festgestellt worden waren. Demnach waren die Polizisten zwar schnell am Tatort, aber mit der Lage wegen fehlender Führung überfordert.

So wurde der Haupttäter, der sich am Tatort aufhielt, zunächst nicht gefasst, obwohl er vorbestraft war und wiedererkannt wurde.

Die Polizisten hätten auf Hinweise aus der Schauspieler-Gruppe, dass die Täter auf der anderen Straßenseite stehen, nicht reagiert, sagte ein 30-jähriger Musiker. Ein 34-jähriger Tänzer sagte, er könne sich daran erinnern, dass Mitglieder der Gruppe auf die Täter gezeigt hätten. Der Musiker warf den Polizisten auch vor, den Opfern nicht geholfen zu haben: "Wann man mir geholfen hat? Das kann ich Ihnen sagen: Gar nicht", sagte er zum CDU-Abgeordneten Siegfried Borgwardt.

Die Befragten reagierten mit Unverständnis auf die Aussage eines Polizisten, wonach sich die Opfer am Tatort nicht zu erkennen gegeben hätten.

Der Musiker verglich den Tatort mit einem Schlachtfeld, er Tänzer verwies auf die Schwere der Verletzungen: Platzwunden und ausgeschlagene Zähne. "Ich glaube, in dieser Situation muss man nicht fragen, ob jemand geschädigt ist."

Der Musiker bemängelte auch, dass die Polizei seiner Erinnerung nach sehr spät am Tatort gewesen sei. Dieser Vorwurf sei bei den Untersuchungen widerlegt worden, zwei Wagen seien zwei Minuten nach dem Notruf dort gewesen, sagte der SPD-Abgeordnete Bernward Rothe. "Das war aber auch das einzig Positive an dem Einsatz."

In einem Jahr muss der Ausschuss seine Arbeit beenden – dann wird der neue Landtag gewählt.  dpa

Dienstag, 23.02.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11794639/menuid/10200370
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